Was ist BPHC?

Der Huf, ein anatomisch relativ gut erforschter Körperteil des Pferdes.


In der freien Natur scheint er eher selten Unbehagen zu bereiten, obwohl er rein optisch auch dort alle Pathologien zeigt, die man bei unseren Hauspferden findet und die bei Letzteren zu teilweise eklatanten Problemen führen.


Der Unterschied: Wildpferde sind ständig in Bewegung und dies auf dem Boden, auf dem sie leben. Unsere Hauspferde dagegen stehen die meiste Zeit des Tages gelangweilt herum und wenn sie bewegt werden, dann in der Regel auf Böden, die nicht denen entsprechen, auf dem sie den Großteil des Tages verbringen.


Hinzu kommen unnatürliche Nahrung und unnatürliche Bewegung und fertig ist das hufauffällige oder hufkranke Pferd.


Als Hufbearbeiter haben wir nun die Aufgabe, die Probleme, die sich aus oben Genanntem ergeben, zu erkennen und möglichst klein zu halten oder gar zu vermeiden. Neben der Aufklärung des Besitzers über eine angepasste Fütterung und Nutzung des Pferdes fällt uns in der Hauptsache die Aufgabe zu, den Huf so zu bearbeiten, daß er dem Pferd ein schadfreies Laufen ermöglicht, oder, falls es bereits zu unphysiologischen Abweichungen gekommen ist, diese auf ein akzeptables Minimum oder sogar vollständig zurückzuführen.


Wie dies zu geschehen hat, scheiden sich nun die Geister.

 

Obgleich die hufanatomischen Kenntnisse in jeder Bearbeitungsrichtung die gleichen sind (oder sein sollten), weichen die daraus gezogenen Schlussfolgerungen doch zum Teil erheblich voneinander ab bzw. widersprechen sich sogar.


Befaßt man sich näher mit den einzelnen Theorien, wird man feststellen, daß sie immer auf einige Pferde Anwendung finden, ohne daß gleich Schäden am Bewegungsapparat festgestellt werden können. Bei anderen Pferden jedoch merkt man sehr schnell, daß selbige Methode nicht zum Ziel führt, ja sogar dem Pferd schadet.
Wir werden zudem in jeder Bearbeitungstheorie oder –Methode Denkansätze finden, die uns einen Schritt weiter in Richtung „Verstehen des Hufes“ führen und andere Denkansätze, die aufgrund völlig falscher Schlußfolgerungen entstanden sind und völlig in die Irre führen.


Manche Vorgehensweisen, in Reinform angewandt, sind dazu geeignet, Schäden an den Hufen anzurichten. Nicht immer sind diese Schäden sofort zu erkennen.


Viele Theorien und Methoden wurden zudem inzwischen wissenschaftlich untersucht. Leider auch hier nicht selten mit unterschiedlichen bis widersprüchlichen Ergebnissen.


Momentan ist es leider noch so, daß es keine allseligmachende Erkenntnis gibt, wie denn ein Huf zubereitet werden muß, damit er durchgehend seine Gesundheit erhält.
Wer also einen Huf bearbeiten will, tut gut daran, möglichst viel von dessen Anatomie und Funktion zu verstehen um eine Vorstellung davon zu gewinnen, was die einzelnen Bearbeitungsschritte für Folgen für die Hufgesundheit nach sich ziehen.


Ganz wichtig ist hier die Vorstellung eines Hufes in der Bewegung. Viele Theorien beschäftigen sich lediglich mit statischen Überlegungen. Sobald die vorhandenen Fakten in die Dynamik der Bewegung eingebaut werden sollen, wird die Vorstellungskraft des Bearbeiters extrem gefordert, nicht selten überfordert. Aber gerade die Bewegung des Hufes hat, wie kaum eine andere Ursache, Einfluß auf seine Form und auch auf seine Verformung bis hin zur Deformation.


Dieses Gebiet ist leider immer noch sehr wenig erforscht und jeder muß hier eigene Erfahrungen und Beobachtungen in seine Bearbeitung mit einbringen. Es macht deshalb Sinn, sich mit ALLEN Bearbeitungsrichtungen und auch deren Detailbearbeitungen explizit auseinanderzusetzen und sich ein Bild zu entwerfen, welche Arbeitsschritte zu welchen Folgen führen.


Da keine der Methoden, in Reinform angewandt, ausschließlich unbedenkliche Aspekte hat, kann auch nicht empfohlen werden diese vollumfänglich und explizit anzuwenden. Hilfreich ist darum, zu erforschen, welche Arbeitsschritte in welchen Methoden regelmäßig oder überwiegend zu welchen Folgen führen.
Eine Anhäufung von negativen Folgen eines der Bearbeitungsschritte sollte dazu führen, diesen nicht mehr anzuwenden und ihn durch einen anderen zu ersetzen, der mehr Erfolg verspricht. Aspekte einer Methode, die überwiegend positive Folgen nach sich ziehen, können dagegen, mit der nötigen kritischen Beobachtung der Hufentwicklung, unter Umständen auch in Kombination mit Bearbeitungsschritten aus anderen Methoden angewendet werden.


BPHC beschreibt somit eine Bearbeitung, die alle Erkenntnisse, die es über Hufe und Pferde gibt, zur Gesamt- und Detailbearbeitung hinzuzieht.


Der Bearbeiter sollte in der Lage sein, zu erkennen, welcher Teil des Hufes dem Pferd unangenehm bis schmerzhaft ist und welche Bewegungsabläufe zu der aktuellen Form geführt haben, wie man durch Verändern der Form wiederum Bewegungsabläufe verändern kann und wie diese veränderten Bewegungsabläufe im Umkehrschluß wieder Einfluß auf eine neu entstehende Form und damit auf die Hufphysiologie ausüben.


In der Praxis sieht das dann so aus, daß man zuerst die Gesamtsituation des Pferdes erfaßt (Umweltbedingungen, Nutzungsart und –Häufigkeit, Vorerkrankungen, Hufprobleme, Art der vorherigen Bearbeitung), das Exterieur berücksichtigt, sich das Pferd in der Bewegung ansieht und dann die Hufe beurteilt.

Wenn mann dann einen Plan hat, was man verändern will und warum, muß man zu der Vorstellung kommen, wie man dies erreichen kann. Diese Überlegungen, indem man immer die möglichen folgen gegeneinander abwägt, stellt man für jeden einzelnen Teil des Hufes an und bedient sich dabei allen Erkenntnissen aus allen bisher dagewesenen Theorien.

 

In einem äußerst umfassenden und ganzheitlich orientierten Ausbildungsangebot vermittelt unsere Schule Ihnen alle notwendigen Kenntnisse, die Sie in die Lage versetzen, als BPHC-Barhuftherapeut mit Erfolg die schwierigsten Hufsituationen zu meistern.

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